Sehr geehrte Damen und Herren,

willkommen im ARAG-Tower.

Ich freue mich ganz besonders, nicht nur als Hellenin und langjähriges Mitglied des DGJV, sondern auch als ARAG-Mitarbeiterin, Sie in unserem Hause begrüßen zu dürfen. Die Kernsparte unserer Gruppe ist die Rechtsschutzsparte, daher hat die ARAG traditionell exzellente Beziehungen mit der Rechtsanwaltschaft. Ein großer Teil unserer Belegschaft im Schadenbereich besteht ebenfalls aus Juristen. Außerdem ist die ARAG ein internationales Unternehmen und in 11 europäischen Ländern sowie in den USA präsent. Zu unserem internationalen Engagement gehört auch eine Niederlassung in Griechenland.

Das Thema meines heutigen Referats ist die Versicherungswirtschaft in Hellas.

Ich werde in dieser Thematik auf folgende Gliederung eingehen:

1.      Kurzer historischer Überblick über die Entstehung der Versicherungswirtschaft in Hellas;

2.      Aktuelle Daten über den hellenischen Markt (Leben- / Nicht-Leben-Geschäft);

3.      Fusionen / Bankassurance;

4.      Rechtlicher Rahmen, Versicherungsaufsicht;

5.      Probleme und Perspektiven des hellenischen Marktes.

Zu 1.)

Kurzer historischer Überblick über die Entstehung der Versicherungswirtschaft in Hellas.

Die erste kapitalisierte Versicherungsgesellschaft in Hellas wurde im Jahre 1825 auf der Insel Syros gegründet unter dem Namen "Versicherungsgeschäft". Die Gesellschaft wurde im Jahre 1827 aufgelöst und im Jahre 1829 wiedergegründet.

Im Jahre 1830 wurde die Gesellschaft "Philemporiki" wieder auf Syros und im Jahre 1831 die Gesellschaft "Phenix" gegründet (die allerdings nichts mit der heutigen Phenix zu tun hat). Bis 1842 waren 7 Versicherungsgesellschaften auf Syros, die als eine reiche Handelsinsel galt, tätig.

All diese Gesellschaften waren Versicherungsunternehmen mit dem Schwerpunkt in der Transport- und Kreditversicherung für Marinehandel. Sie haben eine entscheidende Rolle in der Entwicklung des Handels und vor allem der hellenischen, traditionsreichen Handelsflotte gespielt.

Im Jahre 1891 gründete die hellenische National Bank (Ethniki) die Ethniki Allgemeine Versicherung AG, die zum ersten mal auch Lebensversicherungen angeboten hat, zumindest in den ersten 7 Jahren ihrer Tätigkeit.

Die ersten Versicherungsgesetze erschienen in Hellas in den Jahren 1909 und 1910, durch die die Versicherungsgesellschaft im allgemeinen und die Lebensversicherung  als Sparte reglementiert wurden.

1928 wurden zwei der größten hellenischen Versicherungsunternehmen gegründet, nämlich die "Phenix" und "Astir".

Kurz vor dem 2. Weltkrieg existierten in Hellas 100 Versicherungsunternehmen, wovon 23 die Lebensparte ausübten.

Nach Beendigung des 2. Weltkrieges ließen die daraus resultierenden nationalen politischen Probleme die Institution der Versicherung verschwinden.

Anfang der 60er Jahre fingen die Banken an, Versicherungsaktivitäten zu entwickeln. Versicherungsunternehmen privater Natur oder Initiativen gab es kaum.

Dies änderte sich im Januar 1971 durch das Gesetz 400/1970, das die Bankassurance als Verkauf von Versicherungen am Bankschalter verboten hat und somit die Weichen für einen freien und liberalen Versicherungsmarkt stellte.

Die 70er Jahre waren nicht nur aus gesetzgeberischer Sicht richtungsweisend. In diesen Jahren fing auch das „Agency Management“ an, nämlich die Gründung, Bildung und Förderung von organisierten Verkaufseinheiten gemäß ausländischer Modelle.

Pionier auf dem Gebiet des Agency Management war die Firma Interamerican  GmbH, die Lebensversicherungen für die Gesellschaft "Aspis Pronia" verkauft hat, bis sie im Jahre 1971 selbst als Interamerican  Lebensversicherung AG ihre Versicherungstätigkeit aufnahm und den hellenischen Lebensversicherungsmarkt entscheidend mitgeprägt hat.

Zu 2.)

Aktuelle Daten zu dem hellenischen Markt (Leben / Nicht-Leben-Geschäft).

Einleitend möchte ich erwähnen, dass die hier vorliegenden Daten vom Geschäftsjahr 2000 die offiziellen Angaben des hellenischen Versicherungsverbandes sind.

Gemäß diesen Angaben gab es in diesem Jahr 81 Versicherungsunternehmen, welche die Schadensparten betrieben haben und 31 Versicherungsunternehmen, die die Lebensparte ausgeübt haben. Das Gesamtprämienvolumen betrug 861 Mrd. Drs. (ca. 4,94 Mrd.  DM), wovon 412 Mrd. Drs. (ca. 2,36 Mrd. DM) auf die Schadensparten und 449 Mrd. Drs. (ca. 2,58 Mrd. DM) auf die Lebenssparte entfallen. Somit ist die Lebensparte mit einem Anteil von 52% die wichtigste Sparte auf dem hellenischen Markt, während die Schadensparten 48% für sich beanspruchen können.

Innerhalb der Schadenversicherung ist die obligatorische KH-Sparte die mit Abstand größte Sparte mit einem Prämienvolumen von 215 Mrd. Drs. (1,23 Mrd. DM), dies macht 52% des gesamten Schadenversicherungsvolumens aus. Somit ist die KH die zweitgrößte Sparte in Hellas, gefolgt von der Feuerversicherung (63 Mrd. Drs. / ca. 362 Mio. DM, 16% der Schadensparten) und der Vollkasko (46 Mrd. Drs. / ca. 264 Mio. DM, 11% der Schadensparten).

Die Wachstumsquote des gesamten Marktes im Vergleich zum Vorjahr lag bei 8,67%. Dieses Wachstum liegt eher an den Schadensparten (Steigerung von 15,63% im Vergleich zu 1999) und weniger an der Lebensversicherung (Steigerung 2,97% im Vergleich zu 1999). Dies könnte daran liegen, daß die mit Investments gebundene Lebensversicherung (unit-linked  Produkte) im Jahre 1999 eine enorme Steigerung von 135% verzeichnen konnte, während im Geschäftsjahr 2000 wegen der schlechten Situation auf den Aktienmärkten die gleichen Produkte um 7,19% zurückgegangen sind.

Von den insgesamt 112 Versicherungsunternehmen in Hellas sind 97 aktiv;

-                16 davon ausschließlich als Lebensversicherung (AG),

-                66 davon nur als Schadenversicherung, (44 AGs und 22 ausländische Niederlassungen),

-                15 haben alle Sparten angeboten (13 AGs und 2 Niederlassungen).

Weiter möchte ich Ihnen die „Top 10“ in der Versicherungswirtschaft in Hellas aufgeteilt in die Leben- und Schadensparte(n) präsentieren: 


Anhand dieser Tabelle läßt sich feststellen, daß die 10 ersten Lebensversicherungsunternehmen in Hellas 89,7% des gesamten Prämienvolumens verzeichnen, was auf eine starke Konzentration hinweist.

Bei den Schadensparten verzeichnen die 10 ersten Versicherungsunternehmen 64% des Gesamtprämienvolumens wie Sie in der nachfolgenden Tabelle erkennen können, während die 71 restlichen 36% des Gesamtprämienvolumens beanspruchen.



Die Konzentration bei den Schadensparten ist also geringer als bei der Lebensparte, auch angesichts der Tatsache, daß die Anzahl der Versicherungsunternehmen, welche die Schadensparten betreiben, wesentlich größer ist, als die Anzahl der Versicherungsunternehmen, die die Lebensparte ausüben.

Hinsichtlich der Vertriebskanäle ist zu erwähnen, daß die hellenische Gesetzgebung folgende Vermittlerkategorien anerkennt:

- Broker (unabhängige Vermittler, die im Interesse derer Kunden agieren);

- Makler (Vermitter, die eine oder mittlerweile auch mehrere Vertragsbindungen mit Versicherungsgesellschaften haben);

- Mehrfachagenten (kein eigenes Büro, eine oder mehrere Vertragsbindungen mit Versicherungsgesellschaften);

- Versicherungsangestellte (festangestellte Mitarbeiter, die als Inspektoren, Verkäufer und Inkassanten agieren).

In der Regel verfügen die großen Versicherungsunternehmen in Hellas, vor allem die Lebensversicherer, über eigene Außendienstorganisationen bestehend aus Mehrfachagenten.

Erlauben Sie mir jetzt bitte einen kurzen Überblick zu geben über die wichtigsten einzelnen Sparten, und zwar Leben, Kfz und angesichts der Tradition unseres Hauses auch die Rechtsschutzsparte.

Die Lebensparte hat fünf Produktkategorien:

-        Standard-Lebensversicherung (Risikolebensversicherung in Deutschland),

-        Unit-Linked-Lebensversicherung,

-                Krankenversicherung,

-                Kapitallebenversicherung sowie die

-        Verwaltung kollektiver Rentenversicherungsfonds.

Davon am meisten entwickelt sind die Risikolebensversicherungen (52%) und die Unit-Linked Produkte (36%).

Insgesamt ist diese Sparte gut verankert in dem Versicherungsbewußtsein der hellenischen Verbraucher.

Die Tatsache, daß die Sozialversicherung sowohl in der Renten- als auch in der Krankenversicherung enorme Probleme aufweist, läßt den vollen Eintritt der Privatversicherung in diesem Bereich als nachvollziehbar erscheinen. Somit dürften die Personensparten in Hellas weiterwachsen.

Staat und Versicherungsverband diskutieren diese Thematik bereits.

Erwähnenswert für die Lebensparte ist auch, daß gemäß Prognosen und angesichts der Vermutung, daß sich der gegenwärtige Trend von Fusionen und Übernahmen fortsetzt, die Zahl der Lebensversicherungsunternehmen in den nächsten 10 Jahren auf ungefähr 15 schrumpfen wird.

Im Bereich der Kfz-Versicherung zeichnen derzeit viele kleine und mittlere Gesellschaften ein oft defizitäres Geschäft, auch als Folge der von der EU vorgeschriebenen Tariffreigabe. Die Verschärfung der Konkurrenz und der damit verbundene Prämienverfall sowie der Kursverfall der börsennotierten Aktien hatte als unmittelbare Folge die Verschlechterung der Ergebnisse zahlreicher Versicherungsunternehmen.

Viele Versicherungsunternehmen, die positive Ergebnisse ausweisen, erreichen dies nur, indem sie ihre Rückstellungen zu schwach dotieren. Mehreren Autoversicherern wurde bereits die Lizenz entzogen. Hauptgründe waren die Unfähigkeit, den Schadenzahlungen im Leistungsfall und den Anforderungen an die Rückstellungsbildung nachzukommen.

Die Versicherungsnehmer derjenigen Unternehmen, die von einer Liquidierung betroffen sind, erhalten für 30 Tage Versicherungsschutz von den Hilfsfonds. Die Belastung der Hilfsfonds durch Bankrott und Liquidierung von Versicherungsunternehmen addierte sich in den letzten 12 Jahren auf weit über 100 Mrd. Drs. (ca. 574 Mio. DM).

Ferner verhängte das Aufsichtsamt in den letzten fünf Jahren gegen 18 Kfz-Versicherungsunternehmen Strafgelder i.H.v. 1 bis 7 Mio. Drs. (ca. 5.700,- DM bis 40.000,- DM) wegen versäumter Dateneinreichung und Nichterfüllung anderer Verpflichtungen.

Strengere Strafen von bis zu 12 Monaten Freiheitsentzug sowie Geldstrafen von 90 TDrs. (ca. 517,- DM) drohen den Fahrern von nicht versicherten Kraftfahrzeugen.

Die geschuldeten Sätze für zu geringe Schadenrückstellungen wurden in den letzten Jahren schrittweise zurückgefahren. Für das Geschäftsjahr 1997 betrugen sie 25%, 1998 15% und für die Jahre danach 10%, bis sich die Situation normalisiert hat und die Reserven voll angelegt wurden.

Die Rechtsschutzsparte wurde in Hellas Anfang der 70er Jahre von zwei darauf spezialisierten Versicherungsunternehmen eingeführt: der ARAG und der DAS.

Nach anfänglichen Mißverständnissen mit der hellenischen Anwaltschaft, die die kostendeckende Natur der Rechtsschutzsparte ursprünglich nicht verstanden und in ihr einen Konkurrenten vermutet hat, hat sich sowohl die Sparte als auch ihre Beziehung zu der Anwaltschaft sehr positiv entwickelt.

Als einziges Problem seit Anfang der 90er Jahre und als Folge der EG-Richtlinie, die die Aufhebung der Spartentrennung zwischen Rechtsschutz und Haftpflicht durchgesetzt hat, ist der fast unlautere Wettbewerb der Multibranchenversicherungen gegenüber den ausschließlich auf Rechtsschutz spezialisierten Versicherungsunternehmen zu nennen.

Gemäß der EG-Richtlinie darf ein Multibranchen-Versicherungsunternehmen im Rahmen einer kombinierten Versicherungspolice auch Rechtsschutz anbieten unter den folgenden Prämissen:

-        getrennt ausgewiesene Prämie und Bedingungen,

-        getrennte Schadenbearbeitung.

Die hellenischen Kompositer respektieren leider sehr wenig diese Regel, vielmehr bieten sie Rechtsschutz zu einem Drittel des Preises der spezialisierten Versicherungsunternehmen an. Dies hat dazu geführt, daß ARAG und DAS momentan einen Prozeß gegen drei Kompositer führen.

Die Rechtsschutzsparte hatte im Jahr 2000 knapp 4 Mrd. Drs. (ca. 23 Mio. DM) Prämieneinnahmen und konnte eine Steigerung von 19% gegenüber dem Vorjahr verzeichnen.

Insgesamt übten 29 Versicherungsunternehmen die Rechtsschutzsparte im Geschäftsjahr 2000 in Hellas aus.


Als letzte Sparte, oder wenn Sie möchten, Novum auf dem hellenischen Markt, möchte ich auf die Versicherung gegen Erdbeben aufmerksam machen. Momentan ist diese Versicherung Teildeckung der Hausrat- und Gebäudeversicherung mit geringen Deckungssummen. Es laufen derzeit Diskussionen für eine obligatorische Einführung dieser Versicherung aufgrund der Tatsache, daß das Land in einer seismisch aktiven Zone gelegen ist. Inwieweit diese obligatorische Erdbebenversicherung bei der privaten Versicherungswirtschaft oder beim Staat angesiedelt wird, bleibt noch abzuwarten.

Zu 3.)

Fusionen / Bankassurance

Der hellenische Versicherungsmarkt ist in den letzten Jahren in Bewegung gekommen. Zu den auffälligeren Tendenzen gehört die Bildung von großen Firmeneinheiten durch Fusionen, Kooperationen und Aufkäufen. Eine wichtige Rolle im gegenwärtigen Wandlungsprozeß spielen die überwiegend staatlichen Banken, die mit Neugründungen und Beteiligungen in das Versicherungsgeschäft einsteigen.


Anbei als Tabelle die wichtigsten Entwicklungen der letzten Jahre:

Zweck dieser Fusionen oder Übernahmen ist die Erhöhung der Wettbewerbsfähigkeit (sprich: größere Marktanteile), die Betriebskostenreduzierung (Synergieeffekte), eine bessere Möglichkeit für ein innovatives Angebot von Produkten sowie effizientere Befriedigung der Bedürfnisse von Kunden und Mitarbeitern.

Die Größe ist allerdings nicht das ausschließliche Kriterium für den Markterfolg. Leistungsfähige Produkte, modernes Management und eine effiziente Schadenregulierung spielen ebenfalls eine wichtige Rolle. Unter dem zunehmenden Konkurrenzdruck haben die meisten Versicherer bereits moderne IT-Systeme eingeführt und ihre Organisationsabläufe rationalisiert.

Andere Versicherungsunternehmen verbessern ihre Wettbewerbsposition, indem sie anstelle eines breiten und häufig verlustreichen Produktangebotes  nur Spezialprodukte anbieten.

Festzuhalten bleibt, daß durch M&A-Aktivitäten die Konzentration auf dem Markt steigt. Die Rolle der Banken im Versicherungswesen wird ebenfalls steigen. Beide Seiten wollen ihre Kräfte nicht länger durch die Unterhaltung von zwei getrennten Vertriebsnetzen verschwenden.

Die Versicherungsunternehmen können über die Bankschiene eine breite Produktpalette zu niedrigen Kosten absetzen, umgekehrt eröffnen sich für die Bankiers neue Märkte und Kundenkreise.

Bei der Einführung der Bankassurance  gibt es in Griechenland noch große Anpassungsprobleme beim Personal sowie mentale und gewerkschaftliche Widerstände bezüglich der Provisionen.

Die sich in hellenischen Händen befindlichen Versicherungsunternehmen hielten bis vor kurzem insgesamt ca. 80% des Marktes, die restlichen 20% teilten sich ausländische Gesellschaften. Mittlerweile durch die Übernahme der Interamerican dürfte sich dieses Verhältnis zugunsten der ausländischen Gesellschaften verändert haben.

Somit ist der griechische Versicherungsmarkt noch immer ein stark national ausgeprägter Markt.

Zu 4.)

Rechtlicher Rahmen, Versicherungsaufsicht

Die wichtigsten Gesetze auf dem Gebiet der Versicherungswirtschaft in Hellas sind:

400/70                getrennte Führung von Banken und Versicherungen,

489/76                obligatorische KH-Versicherung sowie

1569/85              Vermittlergesetz

Die Umsetzung der EU-Richtlinien in griechisches Recht wurde am 17.04.1997 vom griechischen Parlament in Form des neuen Gesetzes Nr. 2496/97 beschlossen. Dieses Gesetz trat am 17.11.1997 in Kraft.

Die neuen Anweisungen untersagen die Gründung und Tätigkeit von Versicherungsunternehmen, wenn ihre Solvabilität nicht gewährleistet ist. Innerhalb der ersten drei Jahre nach Inkrafttreten des Gesetzes sind die bereits tätigen Versicherungsunternehmen verpflichtet, ihr Mindestgarantiekapital in der Kfz-Sparte zu verdreifachen und in den sonstigen Sparten zu verdoppeln.

Bei Neugründungen brauchen die Gesellschaften die in der Schadensversicherung tätig sein sollen, ein Aktienkapital i.H.v. 360 Mio. Drs. (ca. 2 Mio. DM), für die Lebensversicherung sind es 480 Mio. Drs. (ca. 2,75 Mio. DM). Das neue Gesetz schafft außerdem wichtige Grundlagen zum Schutz aller Kunden.

Die Aufsicht, die in Hellas von einer Abteilung des vorherigen Handelsministeriums, des heutigen Entwicklungsministeriums ausgeübt wird, wurde in den letzten Jahren verschärft. Das Aufsichtsamt veröffentlicht zweimal im Jahr einen Bericht, in dem Daten über die Versicherungsunternehmen hinsichtlich Rückstellungen, Solvabilität, Investitionen, Kosten sowie als begründet nachgewiesene Anzeigen, dokumentiert sind. Obwohl Entscheidungen zur Lizenzentziehung vorsichtig getroffen werden, ist es fast sicher, daß im Sektor der Schadenversicherung in den nächsten 10 Jahren 20 - 30 Versicherungsunternehmen, sei es durch Fusionen oder durch Liquidierung, verschwinden werden.

Zu 5.)

Probleme und Perspektiven des hellenischen Marktes

Aus meiner Sicht besteht das größte Problem in der Tatsache begründet, daß die Aufsichtsbehörde in Hellas öfters unwillig  bzw. zu schwach war, den hellenischen Versicherungsmarkt zu sanieren.

Der Vorschlag des Versicherungsverbandes zur Gründung einer unabhängigen Aufsichtsbehörde nach dem BAV-Modell in Deutschland wurde vom zuständigen Handelsministerium nicht akzeptiert.

Skandale, wie der des hellenischen Versicherungsunternehmen "Themis", das im Rahmen der Dienstleistungsfreiheit grenzüberschreitend Produktverkehr in Italien ausgeübt hat, um nach 2jährigem Abschöpfen der Prämien, Bankrott zu leisten, haben dem Image der hellenischen Versicherungswirtschaft einen großen Schaden beigefügt.

Durch eine gut funktionierende Aufsicht hätte dies nicht passieren können.

Trotz Problemen birgt der hellenische Versicherungsmarkt ein enormes Entwicklungspotential. Der Anteil der Prämien am BIP betrug im Jahr 1999 erst 2,14% und lag damit weit unter dem EU-Durchschnitt von 7%.


Gleichzeitig kann man eine stetige Steigerung der Investitionen der Versicherungswirtschaft im Verhältnis zum BIP beobachten.


Nur 15% der Bevölkerung haben eine Lebensversicherung und nur 10% der Wohnungen / Häuser sind versichert. Es wird geschätzt, daß 15% der Kraftfahrzeuge nicht versichert sind, obwohl die KH obligatorisch ist.


Die Pro-Kopf-Versicherungsprämie in der Leben- und Schadenversicherung ist in den letzten Jahren konstant gestiegen. Dies zeigt, daß der hellenische Verbraucher immer mehr in Versicherungen investiert.


Eine stetig anwachsende Anzahl griechischer Versicherungsunternehmen richtet ihren Blick über die Grenze, hauptsächlich auf den Balkan und die Länder am Schwarzen Meer. Was sie bisher noch abwarten läßt, ist das Fehlen gesetzlicher Rahmenbedingungen, politische und soziale Unsicherheit, hohe Inflation, niedriges Durchschnittseinkommen, wenig ausgebildetes Personal und Unkenntnis der Bevölkerung hinsichtlich privater Versicherungsprogramme in diesen Ländern.

Meines Erachtens bieten sowohl der heimische Markt, als auch aufgrund der geographischen Lage, der Markt in den Balkanländern der hellenischen Versicherungswirtschaft gute Perspektiven an.

Notwendige Voraussetzungen zum Ausnutzen dieser Perspektiven im In- und Ausland sind allerdings eine starke Kapitalisierung, Investitionen auf EDV, ausgebildetes Personal, rationale Organisation, Senkung von hohen Betriebskostenraten, modernes Management und professioneller Vertrieb.

Somit bin ich am Ende meiner Ausführungen. Wir haben für Sie Kopien meines Vortrages inkl. Tabellen vervielfältigen lassen sowie Broschüren mit Informationen über die internationale Tätigkeit unserer Gruppe bereitgestellt.

Ich möchte mich für Ihre Aufmerksamkeit bedanken und ich stehe Ihnen für etwaige Fragen gerne zur Verfügung.

Dr. Efi Leontopoulou

ARAG International AG                                                      Düsseldorf, den 23.11.01